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Mit Charakter durch den Level

Nate Purkeypile

Level Designers

Mein Name ist Nate Purkeypile, und ich arbeite an Fallout 3 als Spielwelt-Grafiker. Ich war hauptsächlich für die großen Schauplätze, die Beleuchtung und die Erstellung von Baukästen für die Leveldesign-Abteilung zuständig, mit denen diese dann die verschiedensten Gegenden erschaffen konnte. Dass man in Fallout seine eigene Geschichte schreiben kann, ist einer der Hauptgründe, warum ich immer schon ein Fan der Reihe war. Anstatt in eine lineare Handlung gepresst zu werden, kann man tun, was immer man möchte, und auch bei der Charakterwahl herrscht absolute Freiheit. Als es an der Zeit war, Fallout 3 durchzuspielen, wollte ich mal testen, wie weit die Idee verwirklichbar war, das Spiel nicht nur als Spiel, sondern als eigenständiger Charakter zu spielen. Und obwohl ich jeden Schlupfwinkel in Fallout 3 kannte, hatte ich jedesmal wieder wahnsinnigen Spaß, und jeder Durchgang unterschied sich ganz deutlich vom vorangegangenen.

 

Edward der Kannibale

Edward hatte schon immer ein geschicktes Händchen für kleine Waffen gehabt. Er verstand auch sie zu reparieren, und während er im Vault aufwuchs, träumte er stets davon, ein Held zu sein, der seinen Vater mit Stolz erfüllt. Zunächst war Edward einfach bloß ein guter Kerl, der durch’s Ödland zog und sich die wunderschöne Umgebung ansah. Nachdem er aber meistens nur herumstreunte und keine bestimmten Aufträge erledigte, liefen ein paar Mal einige Dinge schief. Dann und wann wurde eine Granate geworfen, und jemand, der eigentlich nicht hätte dort sein sollen, wo er eben war, starb versehentlich. Schließlich bekam er den Beinamen „Übeltäter“. Das stimmte ihn sehr traurig, weil er eigentlich dachte, er würde ein Held des Ödlands werden. Ein glattrasierter noch dazu, denn Bärte waren was für böse Menschen, wenn’s nach ihm ging.

Dev Diary 7

Dann begannen sie eines Tages, ihm Killerkommandos auf den Hals zu hetzen. Zu dieser Zeit konnte er schon sehr gut mit Waffen umgehen, und durch seine Fähigkeit Waffen zu reparieren, gelang es ihm, ein riesiges Arsenal anzulegen. Endergebnis war, dass sie einem harten Burschen mit einem ganzen Haufen Kronkorken ans Bein gepinkelt hatten. Und hier begann die Sache unschön zu werden. Wenn sie ohnehin dachten, dass er ein böser Bube war, dann würde er ihnen nun zeigen, wie böse er sein konnte, war seine Überlegung. Er schloss sich den Sklavenhändlern an, ließ sich einen Bart wachsen und begann zu stehlen. Für die Leute war er nun kein Held mehr.

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Je mehr Verbrechen er beging, desto mehr begann er, diese zu genießen. Er stahl von den Menschen, die er umbrachte und häufte mehr und mehr Reichtümer an. Eines Tages machte er eine wunderbare Entdeckung … Menschenfleisch schmeckte hervorragend! Er hörte auf, Dinge wie „Zuckerbomben” in sich hineinzustopfen, stattdessen verschlang er nun jedes seiner Opfer. Ob er es tat um zu überleben, spielte keine Rolle; er hätte es sowieso getan, allein schon, um sie zu ärgern. Dann und wann verwechselte man ihn noch mit einem Helden. So kam er zum Beispiel in Supermutanten-Lager und erledigte sämtliche dort stationierten Mutanten. Die Gefangenen waren glücklich ihn zu sehen: „Oh danke, dass ihr mich gerettet habt”, freuten sie sich. Sie kapierten nicht viel, diese Gefangenen: Er hatte die Mutanten nur getötet, um zu einer feinen, wohlschmeckenden Mahlzeit zu kommen.

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Am Ende seiner Abenteuer war er reicher, als er es sich in seinen kühnsten Träumen vorgestellt hatte. Das Ödland wimmelte nur so vor Waffen und Munition, und mit beidem war er bestens vertraut. Deshalb musste er auch nie einen Cent ausgeben. Er zerstörte Stadt um Stadt und machte damit einfach immer nur noch mehr Geld. Das Ödland hatte sich dazu entschlossen, in ihm einen Schurken zu sehen - jetzt hatte es bekommen, was es verdiente.

 

Bob, der besoffene Weltverbesserer

Als Bob noch ein Baby war, gab ihm sein Vater immer Whiskey zur Beruhigung, wenn er schrie. Sein Vater war ein großer Mann und lehrte ihn, wie man sich an einen Ehrenkodex hält, aber Bob hatte immer schon gerne ein wenig tiefer ins Glas geschaut. Im Vault war das nie wirklich ein Problem, weil es gar nicht soviel Alkohol gab. Als er jedoch raus ins Ödland ging, wurde die Angelegenheit zum echten Problem für ihn. Und eines Tages entdeckte er, dass Bier sein Weg zum Heil war. Wenn er dadurch den Hammer energischer schwingen konnte, dann wusste er: Es war seine Bestimmung alles Bier zu trinken, das er nur finden konnte und die Böse-Macher mit seinem Hammer zu erschlagen.

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Weil er zu dumm war, Waffen zu benutzen, war bei Prügeleien immer er derjenige, der einstecken musste, aber irgendwie schlug er sich immer durch. Manchmal ließ seine Stärke im Kampf kurzzeitig etwas nach, aber ein Bier war ihm stets willkommen. Das brachte ihm seine Stärke zurück, und er war auch wieder bereit, den Leuten ein Held zu sein. Langsam aber sicher zollte man ihm mehr Respekt und auch seine Ausrüstung wurde besser. Da er nie Waffen benutzen wollte, war er letztlich immer im Nachteil. Eines Tages fand er einen schicken, wärmenden Hut. Das freute ihn sehr, denn schon in jungen Jahren war er kahl geworden und war dies ein Grund, warum er sich einen Bart hatte wachsen lassen; um den Leuten zu beweisen, dass er immer noch ein Mann war. Nun, es endete damit, dass er den Großteil seines Geldes für seine enormen Arztrechnungen ausgab, ein reicher Mann war er nie. Doch wusste er stets, dass er das Richtige tat.

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Stanley, der Feigling mit den Seelennarben

Stanley war nicht immer ein Feigling gewesen. Doch eines Tages, als er zehn Jahre alt war, zwang ihn sein Vater dazu, eine Kakerlake zu töten. Stanley wollte das nicht, doch sein Vater sperrte ihn in die unteren Etagen des Vaults, und von dort durfte er sich nicht mehr wegrühren, bis er die Kakerlake umgebracht hatte. Von diesem Tag an schwor er sich, nie wieder zu töten. Egal was es kosten würde, oder wie sehr man ihm auch an den Kragen wollte, er würde niemals wieder Gewalt anwenden. Es war ein steiniger Weg gewesen, aber schließlich hatte er es doch geschafft. Seine Zeit verbrachte er damit, herauszufinden, wie man sich am besten aus Situationen herausredet, er wurde zum Experten im Umgang mit Computern, und beim Knacken von Schlössern und im Anschleichen machte er ebenfalls eine gute Figur. Von Zeit zu Zeit - das wusste er - würden Worte wohl nicht ausreichen.

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Das erste was Stanley lernte, als er ins Ödland hinauszog, war, dass es voll von Quälgeistern war. Egal wohin er auch ging, ständig war jemand oder etwas hinter ihm her. Er fand nie recht heraus warum. Was er aber herausfand, war, dass er beim Rennen sehr viel besser war als sie. Wenn sie ihn entdecken, turnte er über die Felsen und rannte einfach so schnell er konnte. Am Ende gaben sie immer auf. Keiner hatte es so drauf wie er. Sie ernährten sich ja auch schlecht und trugen teilweise schwere Metallkleidung - nicht gerade das passende Outfit für einen Langstreckenlauf.

Manchmal, wenn er das Gelände nicht so gut kannte, ging seine Strategie allerdings auch nach hinten los.

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Auch wenn sich alle anderen überaus brutal und wie irrsinnig verhielten - er stellte fest, dass er dazu in der Lage war, die Dinge zu erledigen, ohne dass dabei jemand verletzt wurde. Und auch wenn er jedem Konflikt aus dem Wege ging, so war er letzten Endes doch ein sehr talentierter Bursche. Er konnte die kompliziertesten Schlösser knacken, sich in jedermanns Computer hacken und fast hinter jedermann unbemerkt hinterherschleichen. Er wollte, dass die Bewohner des Ödlands verstanden, dass Gewalt keine Antwort war, aber sie hörten ihm nie zu. Das machte ihn traurig, also rannte er einfach weiter.

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Katie, die Heldin mit der Eisenfaust

Seit ihrer Geburt hielt sie jeden in ihrem Umkreis für einen Feigling. Alle mussten sie ständig ihre Waffen benutzen, doch sie wusste, das kam nur daher, dass keiner von denen wirklich wusste wie man kämpft. Sie aber bewies ihnen, dass man keine Knarre brauchte, um da draußen im Ödland ein Held zu sein. Sie verließ das Vault, denn alle hielten sie für verrückt. Sie wollte ihnen zeigen, dass sie falsch lagen.

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Es war eine raue Welt da draußen, und zu Beginn fing sie sich eine Menge Kugeln ein. Weil im Ödland jeder so vernarrt in Waffen war, war es schwer für Katie, eine brauchbare Ausrüstung zu finden. Also war sie gezwungen, mit den verschiedenen Händlern vorlieb zu nehmen, die ihr über den Weg liefen. Und obwohl sie nur mit ihren mit Spikes versehenen Knöcheln aufwarten konnte, ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten. Sie war außerordentlich beweglich, kräftig, und ihre Faust war wie aus Eisen. Ein Schlag-Hagel von Katie brachte jeden zu Fall, auch einen durchgeknallten Brahmin, falls sie in eine entsprechende Situation geraten sollte.

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Oft steckte sie viel ein, aber Tatsache ist, dass sie noch mehr austeilen konnte. Wenn sie sich mit nichts als ihren Fäusten in ein Feuergefecht stürzte, sah das zwar aus wie die Affekthandlung einer Wahnsinnigen, aber es funktionierte dann doch immer erstaunlich gut. Im Endeffekt benutzte sie dann auch einen Raketenwerfer, aber das machte sie nur so zum Spaß, denn eigentlich benötigte sie nur ihre Fäuste. Und nachdem sie nie auch nur eine einzige Kugel abfeuern musste, wurde sie sehr schnell reich. Sie konnte sich alles kaufen, was sie wollte, einschließlich aller Stimpaks die sie brauchte. Die Leute sahen in ihr eine Heldin, und sie half Menschen im ganzen Ödland. Den Bewohnern des Vaults hatte sie eines bewiesen: Alles was man wirklich braucht, ist eine eiserne Faust und Mumm in den Knochen.

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Porkchops das Fischweib

Porkchops das Fischweib war das hässlichste Baby im ganzen Vault. Manche glaubten, sie sei ein Mutanten-Freak. Die Wahrheit aber ist, sie war einfach nur abgrundtief hässlich. Weil man sie behandelte, wie man sie behandelte, wurde sie zur Einsiedlerin und verbrachte ihre gesamte Zeit damit, alles über Energiewaffen, Schloss-Knacken und Anschleichen zu lernen. Sie war äußerst beweglich und intelligent, trotz ihres deformierten Kopfes. In ihren frühen Jahren hatte sie nicht viel zu lachen. Jeder im Ödland liebte seine klassischen alten Waffen, aus denen noch Patronen verschossen wurden. Jeden Kronkorken, den sie verdiente, musste sie in Munition für ihre seltenen Waffen investieren. Alle hielten sie für verrückt, weil sie in einer Welt, in der es oft nicht mal fließend Wasser gab, solche hochtechnologische Waffen verwendete. Doch sie wusste, dass sie eines Tages alle mit ihren Energiewaffen eindampfen würde. Es war nur eine Frage der Zeit.

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Sie legte Wert darauf, jeden Winkel des Ödlandes zu erforschen. Mit der Zeit fand sie immer bessere Waffen und häufte mehr und mehr Munition an. Schließlich überschritt sie eine Grenze und begann tatsächlich, Geld zu verdienen. Einen Teil des Geldes steckte sie in einen modischen Haarschnitt und eine coole Brille. Sie war nun nicht mehr die Beknackte mit dem Fischgesicht und einem schauderhaften und überteuerten Gewehr, sondern ein scharfsinniger Psychopath mit Joker-Grinsen und einer der besten Waffen im ganzen Ödland. Den Namen „Porkchops“ würden alle zu fürchten und respektieren lernen.

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Zu diesem Zeitpunkt war sie von der Gesellschaft völlig ausgestoßen. Sie hatte nicht absichtlich versucht, böse zu sein; sie wollte nur ein wenig Geld machen und in Ruhe gelassen werden. Die Menschen hasste sie; für Porkchops, mit ihrem lachhaft großen Mund und den knopfartigen, kleinen Augen, waren das immer schon Idioten gewesen. Als Kind hatte sie da diesen kleinen Teddybär, den sie innig liebte, doch sie verlor ihn. Als Erwachsene war machte sie es sich zum Ziel, Teddybären aufzustöbern, stets in der Hoffnung, eines Tages den ihren wieder zu finden. Auch liebte sie es, Zeit mit ihrem ausgestopften Hund, Captain Pickles, zu verbringen, den sie sich für ihr Zimmer gekauft hatte. Alles in allem gingen ihre Abenteuer recht profitabel aus. Nachdem Ihre Lieblingssachen einen solchen Seltenheitswert hatten, war es zwar ein harter Weg für sie gewesen, aber schließlich war sie doch soweit, dass sie ganze Schwadronen von Supermutanten mit geringem Aufwand erledigen konnte. An dieser Stelle war sie dann auch bereit für ihr letztes Abenteuer, der Suche nach dem sagenumwobenen Rockopolis.

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